16.04.2021

Freiheit und Individualität in der Medizin

«Die komplementäre Medizin ist in der Schweizer Bevölkerung stark verankert»

Freiheit und Individualität in der Medizin

Jana Siroka begann zunächst Philosophie, Germanistik und Geschichte zu studieren, bis sie sich dann für einen medizinischen Werdegang entschied. Sie wurde Pflegefachfrau und arbeitete sich durch die Medizin bis zur Praxis als zweifache Fachärztin in der Klinik Arlesheim. An der Schnittstelle zwischen Schul- und Komplementärmedizin setzt sie sich auch für eine Veränderung der Zusammenarbeit und der Arbeitsbedingungen in Gesundheitsberufen ein.

Sie haben einen vielseitigen Ausbildungsweg in unterschiedlichen Perspektiven auf die Medizin hinter sich. Was war die wichtigste Lehre, die Sie daraus gezogen haben?

In der ‹Schweizerischen Ärztezeitung› habe ich im März 2020 meine wichtigste Lehre unter dem Motto ‹Brücken bauen› zusammengefasst. Brücken bauen ist eines der inneren Themen meines Lebens. Brücken zwischen konventioneller und Komplementärmedizin, zwischen verschiedenen Berufsgruppen, zwischen Medizinstudierenden und Chefärztinnen und -ärzten oder CEOs.

Worin besteht Ihr Engagement für einen Wandel in den Gesundheitsberufen?

Ich arbeite in einem motivierten Team auf der Inneren Medizin der Klinik Arlesheim. Dort leite ich den Notfall und die IMC (Überwachungsstation). Bei uns ist Interdisziplinarität zwischen Leitung der ärztlichen Behandlung und Pflege im Tandem gelebte Wirklichkeit. Aber das reicht noch lange nicht. Wir wollen uns quer durch alle Berufsgruppen für therapeutische Freiheit, Interdisziplinarität, ein soziales Miteinander und tragfähige wirtschaftliche Strukturen, die uns dienen, einsetzen. Damit wir alle gern zur Arbeit gehen. Mein zweiter ‹Job› ist die Mitgliedschaft im obersten Gremium der FMH – quasi auf der strategischen Ebene des Berufsverbandes von uns Ärztinnen und Ärzten. Auch dort sind die zuerst genannten Qualitäten, nun aber auf nationaler Ebene in der Gesundheitspolitik, Herzstück meiner Bemühungen.

Wie wird sich dadurch unser kollektives Verständnis von Gesundheit in Zukunft entwickeln?

Das ist eine sehr weit gefasste Frage. Es ist zu wünschen, dass durch einen höheren Grad an Freiheit von uns Ärzten und Ärztinnen, aber auch in der Pflege oder Therapie verbunden mit Eigenverantwortung klarer wird, dass es keinen schwarz-weißen Weg zur ‹perfekten Gesundheit› gibt, sondern individuelle Wege der Entwicklung.

Titelbild: Jana Siroka in den Notfallräumen der Klinik Arlesheim, Foto: Christian Jäggi

Bezugsquelle:
DAS GOETHEANUM
Ausgabe 14 – 15 / 2. April 2021